Pi-hole - Ein DNS-basierter Adblocker für das Heimnetz

Pi-hole Beitragsbild

Toll daran ist, das die Software auf einem Raspberry Pi läuft (den die meisten ja sowieso für die Heim-Automation am Laufen haben) und es auch Geräten (z.B. Smartphones, Smart-TVs) ohne eigenen Adblocker ermöglicht, werbefrei zu surfen. Unterwegs kann man dadurch auch wertvolles Datenvolumen einsparen.

Funktionsweise

Das Ganze funktioniert über die DNS-Ebene, also jene Ebene die Adressen (URLs) wie zum Beispiel http://www.google.de in eine IP-Adresse übersetzen (z.B. 208.67.220.220). Hier greift Pi-hole als Zwischenebene ein und filtert Domains von Ad-Anbietern beim Abfragen der IP-Adresse bereits aus.


Dadurch wird nicht nur die Werbeeinblendung blockiert, sondern auch die Performance verbessert, da die Anfrage auf den Werbeserver gar nicht erst gestellt wird.

Der Konfigurationsaufwand ist minimal und in ca. 5 Minuten erledigt.

Installation

Die Installation ist denkbar einfach: Auf einem eingerichteten Raspberry Pi öffnen wir eine SSH-Verbindung und geben den folgenden Befehl ein:


curl -sSL https://install.pi-hole.net | bash


und bestätigen diesen mit Enter.


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Wichtig ist, dass euer Raspberry Pi eine fixe IP-Adresse hat. Diese könnt Ihr über einen DHCP-Server zuweisen oder direkt am Raspberry Pi konfigurieren.


In der Konsole öffnet sich nach dem Download der benötigten Dateien der Konfigurator. Hier müssen wir im ersten Schritt einen sogenannten Upstream DNS-Server eintragen - Dieser bearbeitet die eigentlichen DNS-Abfragen. nachdem diese vom Pi-hole Server gefiltert wurde.

Hier könnt Ihr entweder einen DNS-Server aus der Liste auswählen oder Ihr nutzt einen anderen, alternativen Server.

(Mehrere DNS-Server können kommagetrennt eingegeben werden.)


Anbei einige DNS-Server samt IP-Adresse:


Bei der folgenden Abfrage wählt Ihr aus, ob Pi-hole IPv4, IPv6 oder beides bedienen soll. Hier könnt Ihr beide Optionen ausgewählt lassen.


Nun müsst Ihr die statische IP des Pi sowie den Gateway nochmals bestätigen.


Anschließend werdet Ihr gefragt ob Ihr das Admin-Interface installieren möchtet und ob Ihr die Logs darin grafisch angezeigt bekommen wollt. Beides könnt Ihr aktiviert lassen.

Ihr erhaltet eine Bestätigung der erfolgreichen Installation und das Passwort des Admin-Interfaces. Dies solltet Ihr Euch unbedingt aufschreiben!


Pi-hole Setup Login


Danach ist die Installation der Software abgeschlossen - Nun geht's ans Einrichten!

Einrichtung

Damit Ihr Pi-hole nutzen könnt, müsst Ihr den betreffenden Geräten auch mitteilen, dass sie Pi-hole als DNS-Server nutzen.

Dazu gibt es mehrere Möglichkeiten:


1. Netzwerkweit für alle Geräte über Router bzw. DHCP-Server (empfohlen)

Ihr teilt Eurem Router mit, dass es den Pi-hole Server mittels DHCP als Standard an alle angemeldeten Clients weitergibt.


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Wir zeigen Euch das am Beispiel einer FritzBox. Habt Ihr ein anderes Fabrikat, so müsst Ihr in der entsprechenden Bedienungsanleitung Eures Routers nachsehen.


  • Zunächst loggt Ihr Euch in Eure Fritzbox ein - das macht Ihr indem Ihr das Webinterface des Routers aufruft. Also entweder http://fritz.box oder http://<die IP Eures Routers>.
  • Ihr wählt im linken Menü den Punkt Heimnetz aus
  • Weiter gehts in der Heimnetzübersicht auf den Punkt Netzwerkeinstellungen
  • Dann auf IPv4-Adressen klicken und unter Lokaler DNS-Server die IP des Pi-hole Servers eintragen

Fritzbox IPv4 Einstellungen


Fritzbox IPv4 Einstellungen - Part 2


Durch diese Einstellung publiziert Eure Fritzbox nun automatisch den Pi-hole Server als DNS-Server für alle Geräte die im Netzwerk eingestellt sind.

2. Gerätespezifisch

Ein anderer Weg ist die Einstellung des DNS-Servers direkt am Gerät. Je nach Endgerät ist hier die vorhergehensweise unterschiedlich.

Wir zeigen Euch am Beispiel Windows 7 wie es funktioniert:


  • Rechtsklick auf das Netzwerk-Symbol in der Taskleiste neben der Uhr und Netzwerk- und Freigabecenter öffnen auswählen
  • Im folgenden Fenster wählt Ihr Euer aktive LAN bzw. WLAN Verbindung aus und geht dann im Dialogfeld auf Eigenschaften

DNS-Server einstellen


DNS-Server Windows 7



Diesen Vorgang müsst Ihr für jedes Device separat durchführen.


Habt ihr die Einrichtung abgeschlossen schadet oft ein Neustart des Endgeräts nicht, damit die IP-Adressen aktualisiert werden.

Anwendung

Nachdem Pi-hole installiert und das Netzwerk entsprechend konfiguriert wurde, muss an sich nichts weiter konfiguriert werden. Wir schauen und doch noch mal das Admin-Interface von Pi-hole an und was Ihr für Möglichkeiten zur Personalisierung des Filters habt.


Dazu rufen wir in einen Webbrowser das Admin-Interface auf - also entwerder http://pi.hole/admin oder http://<IP-des-Pi-hole-Servers>/admin


Im Menü auf der linken Seite können wir uns mit dem Passwort, das wir bei der Installation erhalten haben, einloggen um weitere Einstellungen zu machen.


Pi-hole Admin-Interface #1



Hier haben wir zunächst eine Übersichtseite mit verschiedenen Statistiken über die vergangenen Anfragen usw. Hier sehen wir auch wieviel Anfragen von Pi-hole geblockt wurden.


Ihr könnt die Funktionalität von Pi-hole übrigens auch über folgende Seite testen

pi-hole.net/pages-to-test-ad-blocking-performance/" class="button btn" > Pi-hole Test Ad-blocking



Um Euer Nutzererlebnis zu verbessern möchten wir hier auf einige interessante Menü-Punkte eingehen:


Whitelist

Hier könnt Ihr Seiten definieren, die von der Filterung ausgenommen werden sollen. Sprich Seiten mit unaufdringlicher Werbung sowie Seiten die Ihr gerne durch die Werbeeinblendungen unterstützen möchtet (wie z.B. worldoftech.de)

Blacklist

Eigentlich das Gegenteil der Whitelist - Hier könnt Ihr Seiten definieren, die nicht durch die Filterlisten abgedeckt werden. Auch Eingaben mit Wildcards sind hier möglich.

Disable

Hier könnt Ihr Pi-hole sagen, dass es die Filterung pausieren soll - der Zeitraum der Pause kann hierbei frei gewählt werden. Das macht Sinn wenn z.B. Inhalte nicht korrekt dargestellt werden.

Tools > Update Lists

Hier kann ein Update der Filterlisten forciert werden. Das macht vorallem dann Sinn wenn Ihr neue Filterlisten hinzugefügt habt.

Settings > Block Lists

Hier lassen sich die vorhandenen Filter-Listen verwalten und auch neue hinzufügen. Pi-hole kommt bereits mit einer Auswahl an Listen. Diese können z.B. auch durch Listen bekannter Adblocker (wie z.B. uBlock Origin) erweitert werden. Pi-hole erkennt hierbei das Format der Filterliste und importiert diese meist problemlos.


Pi-hole Block Lists

Wie funktioniert Pi-hole

Dieser Abschnitt geht ein wenig auf die Funktionweise von Pi-hole ein. Zur Nutzung müsst Ihr nicht mehr weiterlesen.


Die meisten Webseiten liefern Werbung von zusätzlich eingebundenen Servern aus. Das heißt die Webseite http://www.beispiel.de bezieht seine Werbebanner vom Server werbung1.werbenetzwerk.de.

Da die Anfrage nach der IP des Servers werbung1.werbenetzwerk.de jetzt durch unseren Pi-hole-Server bearbeitet wird und auf der Filterliste auch aufgeführt ist, liefert Pi-hole nun nicht die IP des originalen Servers sondern eine, die anstatt der Werbe-Banners nur eine Platzhaltergrafik enthält.


Der Vorteil ist hier dass bereits vor abfragen der Daten gefiltert wird. Es wird also im Gegensatz zu konventionellen Ad-Blockern nicht gefiltert, wenn die Daten des Werbeservers schon geladen wurden, sondern schon vor dem Abruf.


Weitere Informatione

Weitere Information erhälst Du auch auf der Webseite des Projekts unter https://pi-hole.net/. Hier findest Du auch eine FAQ sowie ein Diskussionsforum.

Fazit

Bei unserem Test überzeugt uns Pi-hole durch die Vorabfilterung vor allem für Geräte, die nativ keinen Adblocker unterstützen - also Smart-TVs oder auch iPhones. Natürlich ist Werbung heute auch so ausgefuchst, das das reine Blocken per DNS nicht immer funktioniert. Hier ist Pi-hole als Ergänzung zu einem konvetionellen Adblocker jedoch trotzdem empfehlenswert. Und da die meisten von uns sowieso einen Raspberry Pi für die Smart-Home-Steuerung laufen haben, tut ein zusätzlicher Dienst sicherlich nicht weh.


* Das Pi-hole Vortex-Logo ist eingetragenes Warenzeichen der Pi-hole, LLC

    Über den Autor

    Gründer und Autor von worldoftech.de

    Seit 25 Jahren im Bereich IT unterwegs, leidenschaftlicher Computerspieler, Technik-Freak und begeistert von allem was einen Motor (Auto/Motorrad/Flugzeug) hat.


    Nutzt Zuhause openHAB2 zusammen mit HomeMatic Komponenten sowie netatmo als Wetterstation. InfluxDB und Grafana zur Auswertung. Weitere Gadgets von Xiaomi, Sonos und Samsung

    Patrick Team

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